In die Zukunft sehen zu können, hat sich wohl jeder schon mal gewünscht. Es ist in Wahrheit aber wohl eher Fluch als Segen. Während des 2. Weltkriegs warnte Alois Irlmaier seine Nachbarn vor bevorstehenden Bombeneinschlägen, gab Auskunft darüber, ob Soldaten aus dem Krieg nach Hause kommen und dergleichen mehr. Ein Gerichtsprozess wegen angeblichen Betrugs endete für ihn mit einem Freispruch - und machte ihn im ganzen Land bekannt. Die Leute schickten ihm Fotos von Angehörigen, Briefe, Postkarten... sie waren verzweifelt, noch immer waren über eine Million Deutsche vermisst....
»Natürlich bekommt er Post. Aber nur die wenigsten der Briefe, die ihm Tag für Tag zugestellt werden (gewöhnliche Briefe Eilsendungen, eingeschriebene Papiere) handeln vom Brunnenbau und vom Wassersuchen. Vielen liegt eine Photografie bei „ . . . dies ist mein Sohn. Können Sie mir sagen, ob er noch lebt?“ „Anbei ein Fußballtotoschein. Bitte füllen Sie ihn für mich aus . . . “ — „Meine Frau ist schwer krank. Muß sie sterben?“ — „Mein Mann ist vermißt. Kommt er wieder? Ich möchte nämlich vielleicht noch einmal heiraten . . . “ — So und ähnlich, meist freilich in viel längeren Ausführungen, lauten die Anfragen. Viele von ihnen lesen sich verzweifelt, andere wieder sind nichts anderes als Spekulationen, manche verlangen Auskünfte, die Gewinn bringen sollen. So sind die Bitten um Tototips gerade in der letzten Zeit sprunghaft angestiegen. — Alois Irlmeier müßte Tag und Nacht schreiben, wollte er sie alle beantworten. Natürlich kann er das nicht. Er liebt es überhaupt nicht, daß man zuviel von ihm wissen will. Er hat seinen Beruf. Auch hat man ihn ja schon einmal vor Gericht gebracht; und wenn's auch einen Freispruch gab, vergessen hat er jene Anschuldigungen nicht. Er ist vorsichtig geworden. Auch — das sagt er selbst — strengen ihn seine „Gesichte“ an, und wer ihm selbst schon einmal gegenübersaß in Augenblicken, da er „nach ihnen schaute,“ der glaubt ihm das auch.« Altbayerische Heimatpost, 1949
Die zeitgenössischen Anekdoten sind wirklich verblüffend, aber wie seine Zeitgenossen werden auch wir heute von ihm verblüfft:
»Zuerst kommt ein Wohlstand wie noch nie.
Dann folgt ein Glaubensabfall, wie nie zuvor.
Darauf eine noch nie da gewesene Sittenverderbnis
Alsdann kommt eine große Zahl fremder Leute ins Land.
Es herrscht eine hohe Inflation. Das Geld verliert mehr und mehr an Wert.
Bald darauf folgt die Revolution.
Dann überfallen die Russen über Nacht den Westen.«
Wer diesem Kanal folgt und die dazugehörige Homepage besucht, wird rasch feststellen, dass man das Thema „Prophetie“ nicht per se als Unfug oder Betrug abtun kann.
Irlmaier war nicht Hellsichtig sondern ein Seher! Hellsichtigkeit kommt vom Teufel. Was Irlmaier sah kam von Gott
Ich verstehe deinen Einwand gut! Aber ich würde sagen, man kann hellsichtig sein, ohne Hellseher zu sein.
Ich bin einmal auf folgende Definitionen gekommen:
Ein Prophet gibt wortwörtlich die Worte Gottes wieder: „Ich, der Herr“. Ein Seher ist im christlichen (katholischen) Glauben verwurzelt, bekommt eine Vision von Gott und gibt sie in eigenen Worten wieder (Irlmaier). Und ein Hellseher oder Wahrsager ist nicht im christlichen Glauben verwurzelt, hat auch eine Vision, gibt sie auch in eigenen Worten wieder. Die ist dann aber von unten eingegeben, um den Eindruck zu erwecken, es ginge auch ohne Gott. Das ist dann die berühmte Glaskugel oder Pendelschwingen oder Tarotkarten und dieses Zeug.
Wie gesagt, Irlmaier konnte in die Zukunft schauen, war in dem Sinne hellsichtig, war aber kein Hellseher. So würde ich das formulieren.