Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zur Christmette 2025
Predigt Christmette, 24.12.2025 Perikopen: 2 Tit 2,11-14Lk 2,1-14
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Mit der Geburt Jesu beginnt eine neue Zeitrechnung. Man spricht von vor Christi Geburt und nach Christi Geburt. Ab diesem Zeitpunkt haben wir die Möglichkeit von ihm zu erzählen. Das Weihnachtsevangelium ist dazu ganz besonders geeignet. Es wird feierlich verkündet in den Christmetten, es wird vorgelesen an vielen Christbäumen in den Familien, es wird auch vielen Kindern erzählt, in vereinfachter, kindgerechter Sprache. Von Jesus muss erzählt werden, von seiner Geburt, von seinem Leben, von seinem Heilswerk. Von Jesus erzählen. Da möchte ich einen Rückblick machen ins Jahr 1231. Es war am 16. November. Die heilige Elisabeth von Thüringen, die große Heilige der Nächstenliebe, lag im Sterben. Die letzten Stunden auf ihrem Sterbebett verbrachte sie damit aus dem Leben Jesu zu erzählen, so wie sie es selber kennengelernt hatte. Sie erzählte. Es wurde Mitternacht. Da bat sie auf einmal die Umstehenden ganz still zu werden und sagte: „Lasst uns jetzt über den Heiland sprechen, über das Christkind, denn zu Mitternacht ist er geboren.“ In die Stunde ihrs Sterbens tritt Elisabeth in die Stille der Heiligen Nacht ein. In der Nacht ihres Sterbens geht sie selber hinein in die Nacht des Lichtes. Was dürfen wir uns hier mitnehmen. Drei Gedanken dazu. Erstens: Die Stille. Elisabeth fordert die Umstehenden auf angesichts der Geburt des göttlichen Kindes still zu werden. Man muss still werden, das Kind will schlafen, es verträgt keinen Lärm, man darf es nicht wecken. In der Stille geschieht die
Geburt Gottes, und nur dort, wo wir stiller werden, wird Gott in uns geboren. Aber wie können wir stiller werden? Das bloße Schweigen reicht nicht. Ein Mensch kann äußerlich schweigen, aber innerlich ist er voll Unrast und vom Vielerlei der Dinge zerrissen. Der Mensch kann schweigen, aber es ist unendlich laut in ihm. Nein, stille werden bedeutet die innere Ordnung zu finden. Es bedeutet nicht auf Dinge zu zeigen, die wir vielleicht heute geschenkt bekommen haben. Es bedeutet nicht auf das zu schauen, was bei den Menschen so gilt und hohen Wert hat. Stille werden bedeutet hören und horchen, auf die Stimme des Gewissens, auf den Sinn für das Ewige, auf Gott. Von den Dinosauriern wird gesagt, sie seien ausgestorben, weil sie sich falsch entwickelt haben, viel Panzer und Muskeln, wenig Hirn und Verstand. Sind wir nicht auch in einer falschen Entwicklung? Wir haben viel Technik und wenig Seele, einen dicken Panzer des Materialismus, aber ein leer gewordenes Herz. Um uns wirklich innerlich weiter entwickeln zu können, müssen wir uns in die Stille dieser Heiligen Nacht hinein begeben. Zweitens: Über den Heiland sprechen. „Lasst uns stille werden, über den Heiland sprechen, denn es ist Mitternacht.“ Lasst uns über den Heiland sprechen. Das braucht es, damit die Welt für Gott offen bleibt, oder wieder offener wird. Wir haben in den letzten Jahren so manche Krise erlebt, ob wir etwas daraus gelernt haben, ich fürchte nicht. Wir erleben auch jetzt manche Krisen, die alten holen uns auch immer wieder ein. Doch die größte Krise in Mitteleuropa ist, dass wir die Fenster für Gott zugemauert haben und dann kommt keine Atemluft des Herzens mehr herein. Und wo das Herz nicht mehr atmen kann, steht viel auf dem Spiel, die menschliche Freiheit, die menschliche Würde und der Glaube. „Lasst uns über den Heiland sprechen,“ das scheint mir ein Gebot der Stunde, dass über den Heiland wieder mehr gesprochen wird, dass er Grundlage ist in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dass von ihm in der Kirche wieder mehr gesprochen wird. Ich habe das Gefühl in unserer Diözese drehen wir uns nur mehr um die Strukturen, wie wir sie so ändern, dass wir sie bezahlen können, aber ob es hier wirklich so viel um den Heiland geht? „Lasst uns über den Heiland sprechen,“ das gilt für die Kinder. Der Religionsunterricht ist an vielen Orten gefährdet, oft gar nicht mehr vorhanden, weil es nicht nur zu wenig Priester, sondern auch zu wenig Religionslehrkräfte und engagierte Laien gibt. „Lasst uns über den Heiland sprechen,“ das soll zuerst in den Familien geschehen, aber da ist vielfach das religiöse Vokabular schon vor zwei Genrationen verloren gegangen. Zu Weihnachten feiern wir den sprechenden Gott. „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott durch die Propheten gesprochen, zuletzt durch den Sohn“ sagt der Hebrärbrief. Und „das Wort, das bei Gott war, ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,“ ist die Weihnachtsbotschaft des heiligen Evangelisten Johannes. „Lasst uns über den Heiland sprechen.“ Weihnachten lädt uns ein, religiös sprachfähiger zu werden, das Vokabular und die Grammatik des Glaubens neu zu lernen, damit wir uns in die Welt von heute neu hinein artikulieren können, mit der Botschaft vom menschgewordenen Gott. Drittens: Licht empfangen und Licht weitergeben. Kehren wir noch einmal zur sterbenden Elisabeth zurück. Ihre letzten Worte waren: „Da erschuf Gott einen neuen Stern, der nie zuvor erschienen ist.“ Mit dem Blick auf diesen Stern ist sie hinübergegangen. Es war der Stern, dem sie ihr ganzes Leben lang gefolgt war. Er leuchtete ihr hinüber ins ewige Leben, ins ewige Licht. Der Stern der Heiligen Nacht ist Jesus, der menschgewordene Gottessohn. Er ist das Licht, das uns den Weg des Lebens ausleuchtet, damit wir ihn mit Gott gehen können. Christus ist der Stern, der uns aufgegangen ist und der im Glauben selber unser Herz entzündet, dass auch wir Menschen zu Sternen werden, die einander den Weg weisen. Wieviel Licht hat die heilige Elisabeth, die diese Worte gesagt hat, in das Leben der Menschen gebracht, vor allem in das Leben der Armen und Kranken. Sie wurde selber zum Stern. Im Tagesgebet der Hirtenmesse, der zweiten Weihnachtsmesse, heißt es so sinnenfällig: „Lass in unserem Werken wiederstrahlen, was durch den Glauben in unserem Herzen, was inwendig, in uns leuchtet.“ Und so ist Weihnachten dann ein ganz praktisches Fest. Auf den Stern hinschauen bedeutet: Licht empfangen und Licht geben, das empfangene Licht hineinstrahlen lassen in unsere Welt, damit es auch für andere Wegweisung und Orientierung werde. Es gibt dafür ganz viele Möglichkeiten.
Liebe Brüder und Schwestern!
So liegt im Sterben der heiligen Elisabeth eine ganze Auslegung des Weihnachtsevangeliums. Menschen selber werden zur lebendigen Auslegung der Botschaft, zur besten Auslegung der Botschaft. Man muss still werden für die Gottesgeburt, für das göttliche Kind. Es muss wieder mehr über den Heiland gesprochen werden, damit in der Welt wirklich Weihnachten wird. Und wir dürfen auf den Stern schauen, Licht empfangen und weitergeben. Menschen sind die Worte mit denen Gott seine Geschichte erzählt. Heute sind wir die Worte. Amen.